17,8 Mio. Deutsche sind jedes Jahr psychisch krank! Schon gewusst?

10. Mar, 2018

Anfang der Woche stieß ich in Instagram auf eine Challenge von @freudmich, die alles rund um die Psyche bloggt, postet, verarbeitet, Buchtipps gibt… Und sie nannte diese wahnsinnige Zahl, die auch mich echt überraschte: „Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN, Stand Januar 2018) sind in Deutschland jährlich ca. 17,8 Millionen Menschen psychisch krank. Das ist ziemlich viel (nämlich 27,8% der erwachsenen deutschen Bevölkerung).“ Die Aufgabe 1 der Challenge: Zu zeigen, das psychische Störungen KEINE Seltenheit sind.
Ich bin zu spät dran für die Challenge, aber es hat mich zu diesem Blogpost inspiriert.

Denn das hat auch was mit meinem Beruf zu tun. Bei dieser großen Zahl an Erkrankten ist es statistisch gesehen sehr wahrscheinlich, dass ich auf einen treffe. Oder du, lieber Leser! Setz dich mal in den Bus oder die S-Bahn, und dann zählst du die Köpfe – bei jedem 4. Kopf ist statistisch wieder ein Betroffener vor dir. Wahnsinn, oder? Die Menge war mir so nicht bewusst!

Therapie und Coaching arbeiten beide mit den mentalen Kräften des Menschen – aber es gibt Grenzen, wann was angebracht ist!

Es kommt immer wieder mal vor, dass ich bei der Annahme eines neuen Klienten sorgfältig abwägen muss, ob dieser Klient nicht anderweitig besser aufgehoben ist. Denn Coaching heißt auch, mit gesunden Menschen zu arbeiten. Aber ab wann ist denn jemand krank? Fakt ist, dass ich keine Heilerlaubnis habe und deswegen nicht mit Menschen an Erkrankungen welcher Art auch immer, arbeiten darf. Und ganz ehrlich: Ich finde das richtig so! Nicht umsonst gibt es ganze Studiengänge und mehrjährige Ausbildungen für diejenigen, die sich tiefer mit der menschlichen Psychologie und Ihren Spielarten beschäftigen. Es wäre anmaßend anzunehmen, dass ich mit ein bisschen Coaching einen handfesten Burn-Out behandeln kann. Und gefährlich!

Gleichzeitig kommen viele Coaching Techniken aus der Therapie. Und auch im Coaching tauchen wir mitunter ein in die Kindheit oder überlegen gemeinsam, welche anderen Verhaltensweisen den Coaching-Klient in bestimmten Situationen in Zukunft wählen könnte. Mentalcoaching ist nicht weit weg von Hypnosetherapie – rein technisch gesehen. Coaching ist aber ein deutlich kürzerer Prozess: In wenigen Sitzungen wird das Anliegen eines Klienten bearbeitet. Manche sind nach 3 Sitzungen am Ziel, andere kommen verteilt über ein Jahr oder auch länger. Aber die Abstände dazwischen liegen klassischerweise bei 3-6 Wochen. Ganz anders als bei einer Therapie… Für die meisten, gesunden Menschen ist das intensiv genug und auch ausreichend.

Für mich persönlich ist die Grenze definitiv gegeben, wenn jemand nicht arbeitsfähig ist und/ oder Psychopharmaka nimmt. Wenn das zugrundeliegende Thema dann mit mir bearbeitet werden soll, dann empfehle ich gerne weiter an Fachleute. Was ich wohl schon gemacht habe: Ich habe Klienten angenommen, die ergänzend zu einer Therapie eine Berufsorientierung mit mir durchgehen wollten oder sich vielleicht auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten wollten. Das ist dann sauber zu trennen und muss aus meiner Sicht auch aktiv angesprochen werden. Und ich halte es mit meinen Kunden vertraglich auch fest.

Ich betrachte Therapeuten als Kollegen – wir arbeiten beide mit Menschen, aber unsere Themenschwerpunkte und unsere Aufgaben unterscheiden sich. Gleichzeitig können wir uns ergänzen…

Die eigentliche Zielsetzung der Challenge ist aber, dass wir aufmerksam machen wollen darauf, wie viele Menschen eigentlich betroffen sind.

Und dass es nicht peinlich sein muss, und dass niemand sich schämen muss, wenn er oder sie betroffen ist. Und dass es vor allem ok ist, sich auch helfen zu lassen! Coaching unterstützt hier unter Umständen präventiv.

Auch in unserer Branche galt in vielen Unternehmen bis vor einigen Jahren noch, dass nur der einen Coach braucht, der ein Problem hat. Hier hat sich glücklicherweise schon viel geändert: Einzelcoaching ist die hochwertigste Form der Personalentwicklung. Viele Firmen setzen so viel Geld nur für Ihre „wertvollen“ Mitarbeiter ein (Sind die anderen weniger wertvoll?!?), und also ist es inzwischen sogar eher ein Prestige-Objekt, einen Coach zu haben oder sich coachen zu lassen.

Es wäre schön, wenn die Methoden allen zur Verfügung stehen könnten, in der Zeit, in der sie auch gebraucht werden. Dass niemand sich mehr verstecken muss. Dass wir uns bewusst darüber werden, dass wir alle unsere Päckchen tragen müssen und jeder die Aufgabe hat, aus seinem Leben das Beste zu machen. Und wenn das heißt, dass er oder sie sich psychischen Problemen stellen muss und Ihnen auf den Grund geht, dann sollte das für jeden möglich sein. Die Gemeinschaft sollte den Einzelnen tragen.

Ich wäre tatsächlich nicht Coach geworden, wenn ich nicht durch Überlastungserfahrung und Ängste Zugang zu meiner persönlichen Entwicklung bekommen hätte. Jetzt schöpfe ich daraus und helfe anderen, in ihre Stärke zu kommen und ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen, den richtigen Beruf zu finde und, liebevoller mit sich und anderen umzugehen.

#endthestigma #ichundmeinepsyche

Genauso wie die Metoo-Debatte das Thema sexuelle Übergriffe in die Mitte der Gesellschaft stellt, sollten wir alle Betroffenen in unsere Mitte nehmen.

Vergesst vor allem dieses „Du musst dich mal mehr zusammenreißen!“ – da glauben tatsächlich immer noch viele, dass man damit eine Depression beenden könnte. Lasst uns das Thema annehmen und ernstnehmen, als Versuche der Betroffenen, einen Ausweg zu finden aus einer schwierigen Lebenssituation. Als psychische Lösungsansätze für große Probleme. Als Zeichen dafür, wie sehr zum Teil unser aktueller Lebensstil uns von uns selber entfremdet. Als mögliche Altlasten einer Familienthematik von Generationen… die Gründe sind zahlreich, und sie sind alle verdammt gut! Keiner ist krank zum Spaß! Ein gebrochenes Bein sehen und verstehen alle. Aber einen Gips für ein verletztes oder gebrochenes Herz, den sieht man nicht und den gibt es so nicht.

Betroffene brauchen Hilfe und Verständnis.

 

Und wir brauchen alle mehr Mut, offen damit umzugehen!

Schreibt mir doch mal, was Ihr dazu denkt! Ich freue mich auf Eure Gedanken!

 

Den Blog der Initiatorin freudmich findet ihr hier: https://freudmich.wordpress.com/

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde erreicht ihr hier: https://www.dgppn.de/

 

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