Einfach mal nichts müssen! - Was ich Heiligabend aus der Kirche mitgenommen habe für das neue Jahr…

29. Dec, 2017

Heiligabend waren wir mit der ganzen Familie in der Kirche. Wir gehen nicht so oft. Wir sind eher anlassbezogene Gläubige. Ein bisschen hat es auch damit zu tun, dass mein Mann und ich tatsächlich eine gemischt-konfessionelle Ehe führen. Man sollte es nicht glauben, aber das ist selbst heutzutage immer noch Anlass für interessante Unterhaltungen. Anderes Thema. Dieses Jahr also Heiligabend in der evangelischen Erlöserkirche mit einer Predigt von Pfarrer Andreas Pasquay. Er nahm als biblischen Aufhänger für seine Ansprache die Geschichte vom reichen Jüngling, der zu Jesus kam und ihn fragte, wie er „das ewige Leben erlangen könne“.  Das ewige Leben erlangen – da stecke nicht mehr und nicht weniger die große Frage drin, wie denn ein Leben gelingen kann, so Herr Pasquay.

Hier die volle Geschichte:

Der reiche Jüngling

“17 Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu ererben? 18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein! 19 Du weißt die Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst nicht rauben! Ehre deinen Vater und deine Mutter! (2. Mose 20.12) 20 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, dies alles habe ich gehalten von meiner Jugend an. 21 Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eins fehlt dir! Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach! (Matthäus 10.38) (Markus 8.34) 22 Er aber ward traurig über diese Rede und ging betrübt davon; denn er hatte viele Güter. 23 Da blickte Jesus umher und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes eingehen! 24 Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da hob Jesus wiederum an und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes einzugehen! (Psalm 62.11) (1. Timotheus 6.17) 25 Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme. 26 Sie aber entsetzten sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann denn gerettet werden? 27 Jesus aber blickte sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich. „

Wie gelingt mein Leben? Das ist eine Frage, die in Coachings immer wieder auftaucht. Aus meiner Sicht arbeiten genau deswegen so viele Menschen (mich eingeschlossen) so hart an sich und einem besseren Selbstmanagement, Zeitmanagement… Wir alle wollen ja, dass unser Leben gelingt, dass es gut wird. Make the most out of now! Niemand von uns möchte etwas bedauern müssen am Ende eines Lebens. Und wir haben alle Möglichkeiten, also müssen wir sie ja auch nutzen, oder?

Diese Bibel-Geschichte sei oft so interpretiert worden, dass Reichtum hinderlich ist, wenn man wirklich Jesus und dem Glauben folgen will. Genau das, so Herr Pasquay, stecke seiner Meinung nach aber in einer zeitgemäßen Auslegung nicht unbedingt darin. Vielmehr sei doch eine Sichtweise interessant, dass man „einfach so“ zu Jesus kommen könne, ohne sich vorher zu optimieren. Dass man gut sei, wie Gott einen gemacht habe und deswegen eine Optimierung nicht nötig sei, um der Liebe Jesu würdig zu sein. Und dann spannte er den Bogen auf unser Leben jetzt: Wie viel Optimierung überall sichtbar sei. Ein ständiges Streben nach höher, weiter, besser. Und dass deswegen das einfache So-Sein und Sein in den Hintergrund treten würde. Dabei läge gerade darin eine wunderbare Schönheit und Kraft.

Diese Predigt hat mich sehr angesprochen. Ich muss nur in Instagram schauen, wie sich unser Optimierungswahn auswirkt. Jedes Kilo zu viel muss weg. Die Haare sind nicht gut genug, die Kleidung ist nicht cool genug. Die nächste Reise muss aber noch toller sein, und sogar unsere Entspannung wird optimiert – Hardcore Detox in 5 Tagen. Jetzt vor dem Jahreswechsel mehren sich in unserer Branche und auf Social Media auch die Angebote, um das nächste Jahr wirklich gut anzugehen, wie man richtig gute Vorsätze fasst etc. Und ich weiß jetzt schon, dass das Titelthema der 2. Ausgabe der Brigitte in 2018 die Brigitte-Diät sein wird. Wie jedes Jahr. Ich stelle fest, wie ich das zunehmend anstrengend und angestrengt finde. Und ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich selber gerne mal ganz vorne mit dabei war und bin. Persönlichkeitsentwicklung, wie ich es ja auch als Begleiter unterstütze, hat letztendlich immer etwas damit zu tun, aktiv zu werden, Ziele festzuhalten und Maßnahmen zu ergreifen, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Und gleichzeitig erlebe ich in den Coachings immer wieder, wie erleichternd es wirkt, wenn ein Coachee wirklich zu der Erkenntnis kommt, dass er gut so ist, wie er ist. Gut genug eben!yin yang

Im asiatischen Kulturkreis, besonders im Daoismus, gibt es das Prinzip von Yin und Yang: Diese beiden Kräfte verstehen sich als polar einander entgegengesetzt und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien. Viele von uns kennen die dazugehörende Grafik (siehe oben), bei der das weiße Yang (hell, hart, heiß, männlich, aktiv, Bewegung) und das schwarze Yin (dunkel, weich, kalt, weiblich, passiv, Ruhe) gegenüberstehend dargestellt werden. Das eine gibt es nicht ohne das andere.

Wir sind ganz schön viel Yang in unserem Optimierungsdrang.

Heute Morgen dann eine neue Inspiration – ein Artikel aus der Zeit-Online mit dem Titel „Einfach mal nichts müssen“: http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-12/gute-vorsaetze-2018-selbstoptimierung-mann

Der Autor nimmt sich am Ende des Artikels vor, sich bloß nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Und jetzt?

Mein guter Vorsatz für 2018 ist schlicht, mehr Yin in mein Leben zu lassen.

Weiblich weich Dinge zulassen und annehmen. Akzeptieren, dass ich wahrscheinlich immer ein paar Kilos zu viel haben werde. Liebevoller auf das Temperament meiner Söhne zu schauen. Mehr Zeit im schlichten Sein  verbringen, mal häufiger Schmetterlingen, Vögeln und dem Eichhörnchen in unserem Garten zuzusehen.

Ich weiß aus Erfahrung, dass aus solchen Momenten bei mir ganz viel Kraft entsteht. Die ich dann nutzen KANN, aber nicht MUSS. Denn: In der Ruhe liegt die Kraft.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein wunderbares 2018, bei dem du das genau richtige Maß im Wechsel von Yin und Yang für dich findest!

 

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