Gute Wut tut allen gut! – Warum wir wütend werden und wie du deine Wut richtig interpretierst und einsetzt!

29. Mar, 2019

Dieses Chaos-Zimmer – regt – mich – auf! Ich habe keine Ahnung mehr, wie oft ich schon gesagt habe, dass meine Kinder ihre Zimmer aufräumen sollen. In solchen Momenten fühle ich mich wie der nervende Mütter-Sprech-Automat mit einer ganz alten Leier „Raum dein Zimmer auf! Räum dein Zimmer auf! …“ Es nervt mich und die Jungs gleichermaßen. Und es nervt mich noch mehr, dass ich mich davon aufregen lasse und dass es auch immer wieder so heftig ausfällt. Denn Wut ist doch nicht gut, oder?

Doch, das ist sie. Sehr sogar! Wut gehört zu den unangenehmen Gefühlen, zu denen wir auch gerne Trauer, Angst und Scham zählen. Nur die Freude wird von allen geliebt, einfach weil sie sich von Natur aus gut anfühlt. Wut und die anderen fühlen sich erstmal nicht schön an. Warum aber haben wir solche Gefühle? Die Antwort liefert Vivian Dittmer in ihrem Buch „Gefühle und Emotionen – eine Gebrauchsanweisung“ . Wir haben die Gefühle, weil wir durch sie in Beziehung und in Aktion treten können zu Ereignissen in unserem Leben. Wir erleben etwas, unser Gehirn macht eine Bewertung der Situation – basierend auf unseren Erfahrungen und unserem Weltbild – und je nach Bewertung entsteht ein Gefühl. Und das Gefühl hilft uns dann dabei, entsprechend der Bewertung in Aktion zu gehen.

Das Wut-Gefühl entsteht, wenn wir die Bewertung treffen, dass etwas FALSCH ist.

Wir erleben etwas als nicht richtig; es müsste anders sein. Das Wut-Gefühl ist dann ein sehr kraftvolles energetisches Gefühl, dass uns in die Lage versetzt, das von uns als falsch erlebte zu ändern.

Wut stellt also eine Veränderungsenergie bereit!

Mit dieser mitunter gewaltigen Kraft im Rücken können wir dann für das Richtige eintreten und aktiv daran arbeiten, dass es so wird, wie wir das wollen. Und tatsächlich: Ich brauche ein gewisses Maß an Wutkraft jedes Mal, wenn ich unser Wohnzimmer aufräume oder den Kindern vermitteln möchte, warum es richtig ist, das eigene Zimmer in Ordnung zu halten. Und warum Bananenschalen in den Müll gehören, und nicht auf den Schreibtisch! Wut verleiht mir die Kraft, die Ärmel hochzukrempeln und manchmal auch unbequem zu werden für andere! IOder mich abzugrenzen gegenüber anderen.

Dieser Art der Wutkraft erleben wir in Demonstrationen und Protesten. Wir erleben sie auch Zuhause, wenn es wie oben banal um Ordnung halten geht oder wenn ich in der Erziehung konsequent bleiben will, immer wieder die gleiche Regel aufstelle und in aller Entschiedenheit klar formulieren. Formuliere, nicht brülle!

Es gibt viele Ecken, wo diese Kraft der Wut sinnvoll und nützlich ist. Und doch hat die Wutkraft einen sehr schlechten Ruf. Mitunter auch sehr zu Recht. Denn wir alle auch schon Erfahrungen mit der sogenannten Schattenseite der Wut gemacht. Eine Demonstration, die beispielsweise in gewaltsame Auseinandersetzungen führt, ist angsteinflößend und zerstörerisch. Eltern, die ihre Kinder schlagen, und wenn auch „nur“ aus guter Absicht und einem vermeintlich heiligen Zorn heraus, leben ihren Kindern diese destruktive und verletzende Wut vor. Vivian Dittmer beschreibt in ihrem Buch sehr eindringlich, wie Wut sehr zerstörerisch wirken kann, kaputt macht und verletzt. Wut, die schnell hochflammt und sich so entlädt ist nicht konstruktiv. Und in dieser Form haben viele von uns Bekanntschaft mit Wut gemacht. So mancher hat Wut am eigenen Leib erfahren. So wollen wir nicht sein, so brutal und fürchterlich. Das ist, wenn man so will, der Steinzeit-Aspekt der Wut. Und dank unserer menschlichen Entwicklung haben wir jetzt die Möglichkeit, diese Kraft kontrolliert einzusetzen oder uns zumindest daran zu üben.

Gesellschaftlich gesehen wird gerade Frauen oft schon sehr früh beigebracht, dass es nichts bringt, wütend zu sein.

Dass sie doch um der Harmonie Willen bitteschön friedlich bleiben sollen. Weil es ansonsten nur noch mehr Ärger gibt. Wütende Frauen werden sehr schnell als hässlich gesehen in unserer Gesellschaft. Hysterisch, zickig, die hat Haare auf den Zähnen, was für eine Hyäne… Was bei Jungs als durchsetzungsstark erlebt wird, wird bei kleinen Mädchen abwertend „bossy“ genannt. Denn ja: Zur Durchsetzungskraft braucht es ein gewisses Maß an Wutkraft. Führungsstärke beim Mann ist attraktiv. Bei der Frau…naja! Sie muss dann wohl eher mit anderen Qualitäten überzeugen. Wirklich?

Sich durchsetzen können bedeutet nämlich, dass wir eine Vorstellung davon haben, was wir als richtig und was wir als falsch ansehen. Wir müssen Position beziehen, in aller Klarheit. Dazu gehört, dass wir Farbe bekennen, und das macht angreifbar und verletzbar. Womöglich bekommen wir sogar Gegenwind. Und es braucht eine Kraft, das alles auszuhalten und unbeirrbar den eigenen Kurs weiter zu verfolgen. Das ist Wutkraft in ihrer positiven Ausprägung: gestaltend, formend, ein Ziel verfolgend. Sie trennt gut von böse trennen und schafft Klarheit. Das ist gleichzeitig auch eine Art von Wut, die noch zuhören kann, und vielleicht noch offen ist für eine Kurskorrektur.

Diese Kraft brauchen wir alle für unseren Beruf, für unser Privatleben und auch und gerade für die Erziehungsarbeit.

Wir brauchen die positive Seite der Wutkraft, und genau diese gilt es zu kultivieren!

Einfach nur wütend werden, das ist es eben nicht.

Kennst du diese Themen? Ist es dir vertraut, die Faust in der Tasche zu machen, eben ganz lange nichts zu sagen, und irgendwann bricht alles unschön heraus? Oder hast du auch schon erlebt, dass du ganz schlecht nein sagen kannst? Oder hast du ständig das Gefühl, dass du selbst nicht richtig bist oder nicht gut genug bist in vielerlei Hinsicht? Wenn ja, dann tauch mit mir ein in das Erlebnis, die eigene Wutkraft zu entdecken!

Dieser Blogbeitrag ist der Einstieg in eine kleine Serie zum Thema Wut bei Frauen, und was wir in Bezug darauf anders machen können.

Ich werde darüberschreiben,

… was mit uns passiert, wenn wir nicht wütend sein dürfen.

… wie Wut und Schuldgefühle zusammenhängen.

… warum und wie Wut gerade für weibliche Führungskräfte wichtig ist.

… und vor allem wie du Zugang zu deiner Wut bekommen kannst und wie du konstruktiv mit damit umgehen kannst.

Für jetzt ist es mir wichtig, dass du schon einmal mit nimmst, dass Wut und Ärger immer wieder versteckte Botschaften für dich in sich tragen. Es lohnt sich sehr, das Gefühl wahrzunehmen und zu spüren, was es dir eigentlich sagen will. Was ist dein eigentliches Bedürfnis HINTER der Wut? Es ist deine Aufgabe, diese Botschaft anzunehmen und erstmal zu akzeptieren. Danach kannst du sie tatsächlich nutzen, um besser mit dir selbst und anderen in Kontakt zu kommen und auf der Basis dein Leben und das Zusammen leben mit anderen besser zu gestalten. Und dann wird aus einem wütenden Gesicht recht schnell auch wieder ein entspanntes und freundliches Gesicht (siehe Bild). Denn auch die Wut hat ein Ende. Sorg dafür, dass es ein Ende ist, dass zu dir passt!

Darum geht es auch bei #neuestärke: Stärke entsteht nicht aus Zerstörung, sondern aus konstruktiver Gestaltung. Du kannst der Baumeister deines Lebens werden. Auch und gerade mit einer guten und gesunden Wutkraft!

 

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Buchtipp: Vivian Dittmer: Gefühle und Emotionen – eine Gebrauchsanweisung

 

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