Mid-life crisis oder mid-life quest? - 5 Coaching-Fragen für mehr Klarheit und neue Lichtblicke

15. Jun, 2018

„Echt jetzt? Nicht wahr, oder?“ Die Coachee schaute mich fassungslos an. Gerade hatte sie verstanden, dass sie mittlerweile an einem Punkt angekommen war, an dem sie sich die gleichen Fragen, die wir vor 6 Jahren schon im Coaching gedreht hatten, offensichtlich erneut stellen musste. Und vor allem ahnte sie, dass die Antworten jetzt wohl anders ausfallen könnten als damals. War damals alles umsonst? Wieso jetzt schon wieder sowas? “Irgendwie habe ich das Gefühl, ich komme nie da an, wo ich hin will!” so ihre Aussage. Damit meinte sie, dass doch endlich mal Ruhe sein muss mit all den Lebensfragen. Können wir das wirklich, dauerhaft an einem Punkt ankommen, an dem alles geklärt ist? Und wenn wieder mal so ein Lebensabschnitt da ist, an dem du das Gefühle hast, alles schwimmt und nichts passt mehr für dich, was tust du dann?

Egal, ob du Karriere gemacht hast oder den Fokus bislang auf die Familie gesetzt hast, das Leben geht weiter! Immer! Deine Bedürfnisse verändern sich mit der Zeit, sogar auf Zellebene bist du nicht mehr die gleiche Person wie vor 5 Jahren. Unsere Umwelt ändert sich ständig und das gefühlt auch immer schneller. Das kann manchmal alles zusammen dazu führen, dass man sich wie ein Fremder in der eigenen Haut fühlt. Und nicht selten äußert sich das dann auch in Hauterkrankungen und Allergien. Man fühlt sich „nicht mehr wohl in der eigenen Haut!“ Diese Formulierung kommt nicht von ungefähr.

Wenn du jetzt an genau so einem Zeitpunkt in deinem Leben angekommen bist, dann möchte ich dich ehrlich ermuntern, dich diesem Unwohlsein zu stellen, und dich den Fragen, die dahinterstehen, zu öffnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es immer wieder diese Fassungslosigkeit gibt, dass man offensichtlich schon wieder irgendwas neu machen muss. Ich habe mir früher immer vorgestellt, dass das Leben so etwas wie eine Reise mit einem Zielpunkt ist. Das Bild der reise habe ich behalten, aber ich stelle fest, dass es um eine stetige Entwicklung geht. Dieser scheinbar unendliche Prozess kann Angst machen. Mir auch.

Fragen können Klarheit schaffen

Gutes Coaching wirst du immer daran erkennen, dass dein Coach dir eine Frage stellt, und diese Frage bringt dich ins Denken. Du findest nicht sofort eine Antwort, sondern spontan kommt dann eine Äußerung wie „Das ist wirklich eine gute Frage…da muss ich erst mal denken!“ Gute Fragen sind daher Qualitätsmerkmal Nummer 1 für ein Coaching!

Kürzlich habe ich auf der Plattform des ICF (International Coach Federation) von einer Kollegin aus USA* diese wunderbaren Fragen gefunden, die ich für dich nochmal leicht abgewandelt habe. Nimm dir diese Fragen ruhig zur Hand, nimm dir auch ein Notizbuch oder Ähnliches und ein paar Minuten Zeit und schau mal, was sie mit dir machen! Vielleicht sind sie für dich eine gute Unterstützung, wieder zu dir und deinen Themen zu finden.

 

5 Fragen für eine Standortbestimmung in deinem Leben

  • Was hast du schon geschafft, worauf du stolz bist? Hast du das Gefühl, dass etwas fehlt? Was würde dich gerade jetzt stolz auf dich selber machen?
  • In welchen Unterhaltungen oder Begegnungen mit anderen fühlst du dich lebendig? Inwiefern und was genau trägst du aktiv dazu bei, dass das so ist?
  • Wonach sehnst du dich noch in deinem Leben? Was genau will da noch hinaus aus dir? Was möchte so sehr gelebt werden in deinem Leben, dass es vielleicht sogar fast schon weh tut? Oder auch: Welcher Teil in dir weint geradezu, weil er nicht zum Zuge kommt?
  • Welchen Schritt kannst du genau JETZT/ HEUTE noch gehen, um herauszufinden, was du brauchst und suchst?
  • Gibt es etwas, das ich gezielt zurücklassen oder aufgeben muss, damit ich jetzt für mich weiterkomme?

 

Diese Fragen können vielleicht auch ein gutes Gespräch mit einem guten Freund*in starten oder unterstützen, der/ die vielleicht durch eine ähnliche Phase geht wie du selber. Man muss nicht alles alleine bewältigen! Es kann daher sehr hilfreich sein, sich mit einer Person auszutauschen, die es vor allem gut mit dir meint und dich nicht sofort verurteilt oder beurteilt. Natürlich ist Coaching ebenfalls ein idealer Begleiter bei solchen Umbruchsphasen.

Jeder hat das Recht darauf, sich nicht gut zu fühlen

Gerade jetzt habe ich das Gefühl – und vielleicht liegt das auch an meinem eigenen Alter, ich bin jetzt 45 – dass es immer mehr Menschen um mich herum trifft: Krankheiten, Krisen, Trennungen, manch eine midlife crisis… und dann hört man gerne mal, dass man sich nicht so anstellen soll! Dass es einem doch gut geht! Dach über dem Kopf, genug zu essen, eine Familie…. Kein Krieg hier in Deutschland. Alles richtig! Relativieren kann auch helfen, den eigenen Schmerz oder die eigene Krise oder Unsicherheit wieder in eine ertragbare Größenordnung zu bekommen. Gleichzeitig: Lass dir nicht von anderen erzählen, dass du kein Recht darauf hast, unglücklich zu sein. Glück und Unglück lassen sich ohnehin nicht von außen ermessen und sind für jeden verschieden. Was für den einen ein großes Glück ist, das kann für den anderen eine Katastrophe sein. Ich erinnere mich noch gut an meinen Coaching-Klienten, Manager und Vater einer großen Familie, den seine große Familie zunehmend belastete und der sich nichts mehr wünschte als seine persönliche Freiheit – im Herzen ein Weltenbummler… Oder die gut aussehende und höchst erfolgreiche Geschäftsfrau, die aber einen nicht erfüllten Kinderwunsch hatte und dabei war, ihren Lebenssinn zu verlieren… Beides von außen betrachtet Menschen, die doch eigentlich glücklich sein müssen. Müssten.

Sei gut zu dir

Von daher: Es ist wirklich in Ordnung, wenn du mal aus dem Gleichgewicht kommst! Gleichgewicht oder auch Balance ist ohnehin nur eine Sache von wenigen Sekunden. Es ist mehr als OK, auf der Suche nach dem eigenen Lebenssinn zu sein. Es ist auch OK zu sagen „Ich kenne mich gerade nicht wieder! Eigentlich weiß ich nicht (mehr), wer ich bin.“ Besser, du gehst in Kontakt mit dir und stellst dich deinen Fragen als dass du ein Leben führst, dass nicht deines ist.

Ist das dann in unserem Alter eine Mid-Life-Crisis? Die amerikanische Kollegin formulierte es um und ich mag das sehr: Mid-life Quest – die Suche in der Mitte des Lebens! Mehr ein Wach-Werden als eine Krise. Die Grundlage für einen Neustart. Mit neuer Stärke!

Also: Mach ein Date mit dir, nimm dir die Fragen, vielleicht einen Partner*in, Freund*in und los! Ich freue mich sehr über Zuschriften, was das mit dir gemacht hat…

Meine Coachee hat auf die dritte Frage eine sehr starke Antwort gefunden. Sie hatte noch einen großen Wunsch, den sie sich nie erfüllt hatte bzw. glaubte, sich nicht erfüllen zu dürfen und das Coaching hat ihr die Augen dafür geöffnet, dass es jetzt Zeit dafür ist. #neuestärke

 

Manchmal muss man sich selber verlieren, um sich zu finden. Oder anders herum:

„Wer einmal sich selbst gefunden hat, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.“ – Stefan Zweig

 

*Ich glaube, es war Ines Roe, ich finde aber diesen Beitrag nicht mehr…leider! Glücklicherweise hatte ich mir aber Notizen gemacht. Mir ist an dieser Stelle vor allem wichtig, fremdes Gedankengut nicht als meines auszugeben.

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