Selbstmanagement mit Tagebuch - bewusster Leben mit mehr Klarheit

06. Nov, 2017

Das Schreiben von Tagebüchern hat eine sehr lange Tradition. Intuitiv wissen Menschen seit langem, dass regelmäßiges Aufschreiben eigener Gedanken und Erlebnisse gut ist, weil es oft gut tut. Eines der bekanntesten Tagebücher ist sicher das „Tagebuch der Anne Frank“, aber auch z.B. Franz Kafka hat Tagebuch geschrieben (Briefe an meinen Vater)

Was passiert denn eigentlich, wenn du Tagebuch schreibst, und warum hat das einen so positiven Effekt? Und, wenn ich das mache, wie geht es denn „richtig“? Gibt es hierbei überhaupt ein „richtig“?

Fangen wir an mit dem „was passiert da eigentlich?”…

Tagebuch schreiben erleichtert, schafft Klarheit und bietet Grundlage für Reflexion.

Wenn du deine Gedanken und deine Erlebnisse aufschreibst, dann finden Sie in gewisser Weise einen Weg aus dir hinaus. Sie schwirren nicht mehr kreisend in deinem Gehirn, sondern sie werden festgehalten und bekommen zwangsläufig eine Struktur. Das hat mehrere Effekte: Viele Menschen berichten, dass Sie sich hinterher erleichtert und/ oder klarer fühlen. Negative Energien und Emotionen können abfließen, während Positives verstärkt werden kann. Dies alles bekommt regelrecht einen Platz in der Welt. Damit wird das Erlebte und Gedachte aber auch bewusster wahrgenommen und ernst genommen. Du hast die Chance, dich intensiver damit zu beschäftigen und all diese Gedankengänge zu reflektieren. Oft erzählen mir Coaching-Kunden, dass sie durch Schreiben auf neue Ideen und wertvolle Erkenntnisse kommen. Es gibt ganze Therapieformen, die über Schreiben stattfinden. Und gerade die schüchternen unter uns, oder auch die Introvertierten, können auf diese Weise „richtig laut werden“. Das Schreiben ist wie ein Kanal, in dem ich Gedanken auf einen Strom setzen kann und Ihnen bei der weiteren Entwicklung auch zusehen kann. Dadurch entsteht gleichzeitig eine manchmal sehr wichtige Distanz. Aus dieser Beobachterposition kann ich mich dann fragen, ob das wirklich alles so ist, was ich da denke? Oder ob es nicht doch vielleicht noch andere Betrachtungsweisen gibt? Ich fange also an, bewusster zu leben.

Wichtig: Es gibt beim Tagebuch schreiben kein Richtig und kein Falsch.

Wir sind alle viel zu verschieden. Wichtig ist vor allem, was du für dich brauchst und machst und dann vielleicht daraus ziehen kannst. Daher gibt es auch ganz viele verschiedene Möglichkeiten, wie man Tagebuch schreiben kann.

Wie führt man denn ein Tagebuch?

Das kommt ganz darauf an, was du für ein Typ bist. Wenn dir das Schreiben liegt, dann lohnt es sich tatsächlich, das Schreiben ins Tagebuch als tägliche Routine einzuführen. Dabei gilt: Alles kann, nichts muss! Es gibt Tage, da hat man unwahrscheinlich viel im Kopf. Dann hilft es, diese Gedankenflut über das Schreiben zu strukturieren. Mir fällt auch immer wieder auf, wie ich meine Fragen tatsächlich durch das Schreiben gelöst bekomme. Manchmal wird auch ein dahinterliegendes Thema klarer, so dass ich es anschließend mitnehmen kann z.B. in eine Meditation.
Da ich ein eher kinästhetischer Typ bin und gerne Dinge anfasse, ist mein Tagebuch ein richtiges kleines Buch aus Papier und Pappe, in das ich schreibe, manchmal male oder auch Dinge hineinklebe. Dieses künstlerische, gestalterische Wirken verankert tatsächlich nochmal mehr die Lernprozesse.

Die modernere Version ist sicherlich sowas wie ein Blog im Internet, wobei ich hier ganz klar das Problem der Privatsphäre sehe. Auch Instagram oder Ähnliches hat Tagebuchcharakter, aber es dokumentiert oft Aktivitäten im Außen oder zitatähnliche Varianten des Innen. Und zusätzlich findet man – mit Verlaub gesagt – oft nur die schönen Dinge oder die spannenden Erlebnisse. Meine Papierversion hat hier einen großen Vorteil: Sie kann nur gehackt werden, wenn meine Familie diese Grenze überschreiten würde und heimlich darin lesen würde.

Exkurs… Wobei…mein kleiner Sohn (10 Jahre alt) hat mir gerade noch erzählt, dass zwei Jungs aus seiner Klasse, als sie bei einem Mädchen zu Besuch waren, heimlich dessen Tagebuch mit Code geknackt haben, um nachzulesen, in wen dieses Mädchen verliebt ist. Geht gar nicht! Das habe ich versucht, den Jungs auch sehr eindringlich beizubringen. Also: Wegsperren, zumindest in eine Schublade legen, ist sinnvoll. Bei mir füllt das jetzt schon mehrere Schubladen…

Was gehört denn rein in ein Tagebuch?

Erst durch die o.g. Privatsphäre und den geschützten Raum wird eine offene und ehrliche Betrachtung möglich. Das hat definitiv therapeutischen Charakter. Du kannst dich ausprobieren. Du kannst auch Briefe in dein Tagebuch an andere schreiben, die du niemals abschicken wirst. Das kann z.B. helfen, wenn du Energie in Richtung einer bestimmten Person ablassen möchtest. Kritik, Schmerz, Wut, Enttäuschung, Trauer, nicht entgegnete Liebe… Im Coaching fordere ich meine Klienten gerne dazu auf, solche Briefe zu schreiben. So lange niemand das zu Gesicht bekommt, kannst du ganz frei sein beim Schreiben. Durch das Schreiben drückst du dich aus und kannst den oder die Gedanken auch loslassen. Das kann sehr befreiend wirken.

Bild Tagebücher

Ich habe schon relativ früh mit Tagebuch schreiben angefangen. Meine ersten Notizen stammen aus der Zeit als ich 12 Jahre alt war. Das sind damals nur kurze Sätze gewesen, und für mich sind sie heute ein unendlich wertvoller Einblick in diese Zeit. Regelmäßiger und länger wurde das im Alter von 14/15. Und seit 1997 habe ich unzählige Bücher vollgeschrieben. Man erinnert sich mit der Zeit sicher noch an Lebensereignisse; gleichzeitig verschwinden die damit verbundenen Gefühlswelten schon weitestgehend. Dafür kann man einerseits mitunter vielleicht sogar dankbar sein. Andererseits, jetzt wo meine Kinder so langsam in dieses Alter kommen, kann es eine wertvolle Quelle sein, sie vielleicht besser zu verstehen. Schließlich war ich ja damals auch in der Pubertät mit allen damit verbundenen Problemen.

Mein altes ICH hat mit zunehmendem Alter immer mehr notiert. Zuerst waren es mehr die Beschreibungen meiner Tätigkeiten am Tag. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Selbstreflexion. Und dafür nutze ich das Tagebuch schreiben heute vor allem. Gerne in Verbindung mit einer Meditation.

Wann ist der beste Moment, um Tagebuch zu schreiben?

Das kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt vor allem davon ab, wann für dich der beste Zeitpunkt ist. Du solltest einen Moment der Ruhe haben, aber noch nicht komplett müde sein. Ich habe lange Jahre abends im Bett vor dem Einschlafen geschrieben und so den Tag für mich abgeschlossen. Probleme oder Herausforderungen konnte ich mir so von der Seele schreiben und mich ruhig auf die Nacht einstimmen. Mittlerweile hat sich das geändert. Ich habe Familie, und die beiden Jungs schlafen leider weniger früh ein als ich das gerne hätte. So ist bis abends spät noch Bewegung im Haus, und ich bin oft zu müde, möchte vor dem Einschlafen auch gar nicht mehr „große“ Gedanken denken. Jetzt ist es zu meiner Routine geworden, im Vormittags- oder Mittagsbereich, im Anschluss an eine kurze Meditation zu schreiben. Ich glaube, das Wichtigste ist aber, dass du regelmäßig schreibst. Auch wenn es nur kurz ist. Einfach, um in gutem Kontakt zu dir selbst zu bleiben.

Tagebuch schreiben sorgt für einen besseren Kontakt zu dir selber!

Ich habe einmal in meinem Leben fast 2 Jahre kein Tagebuch mehr geschrieben, weil ich meinte, dafür keine Zeit zu haben. Das Ergebnis dieser Prioritätenverschiebung (offensichtlich war ich mir in diesem Zeitraum weniger wichtig als das, was ich zu tun meinte) war dann eine erste Lebenskrise mit Erschöpfung. Das Tagebuch schreiben ist für mich also auch zum Garant geworden, dass ich mir Zeit für mich und mein Innenleben nehme, dass ich mich selber wichtig genug nehme. Vielleicht nicht jeden Gedanken darin…aber ich nehme mir die Zeit für mich!

Dabei benutze ich persönlich wie gesagt sehr gerne richtige Bücher, meist im Format A5, gerne blanko, damit ich auch zeichnen kann, wenn ich möchte, und mich nichts einschränkt. Meine Schrift ist auch je nach Tagesform unterschiedlich und braucht mal mehr, mal weniger Raum. Alleine mein Schriftbild gibt mir schon eine Rückmeldung… ist es ruhig und ordentlich, dann herrscht zumeist in mir auch eine größere Ruhe und Klarheit. Bei bewegten Zeiten wird auch die Schrift fahriger und undeutlicher. Die Bücher kaufe ich mir besonders gerne, wenn ich irgendwo (im Ausland) unterwegs bin. Schön müssen sie sein! Ich achte auf einen inspirierenden Einband, sei es in Bezug auf die Farbe oder ein Bild, gerne auch besondere Oberflächen. Wie gesagt, ich bin Kinästhet, da geht es auch immer um das „sich gut anfühlen“.

Am Anfang schreibe ich immer das Datum des ersten Eintrages; und wenn das Buch voll ist kommt vorne auch das Datum des letzten Eintrages hin. Ein neues Buch anzufangen bedeutet auch immer, sich das letzte Buch nochmal anzuschauen, zu überfliegen, zu durchleben, Revue passieren zu lassen. Das ist meistens schön, manchmal schmerzhaft, aber immer erneut erhellend. Und mir wird dabei auch immer bewusst, was ich auch schon alles geschafft und bewältigt habe im Leben. Oder auch, wie unwichtig manche Dinge rückblickend waren, woraus ich in dem Moment aber manches Mal ein Drama gemacht habe.

Es sind lauter Briefe an mich selber, an ein anderes ICH in einer anderen Zeit. Der Umgang mit mir selber ist dabei auch relevant. Wie schreibe ich mir denn? Ist das beschimpfend, anklagend oder ist das stützend und liebevoll?

Reflexion & Dokumentation, Entwicklung & Rückschau, aus der Vergangenheit lernen & die Zukunft entwickeln, alles das mache ich gerne über Tagebuch schreiben.

Vielleicht ist das ja auch was für dich?

Hier habe ich nochmal zusammengefasst 10 Tipps gefunden zum Tagebuchschreiben:

https://www.monkkee.com/de/bewusster-leben-durch-tagebuchschreiben-10-tipps-und-techniken/

Expressives (also sich selbst ausdrückendes) Schreiben in Tagebüchern gilt seit den 80er Jahren auch als Therapieform: „Inzwischen gilt das expressive Schreiben als eine der am besten untersuchten Techniken zur Selbsthilfe. Belastende oder traumatische Erlebnisse in Worte zu fassen kann der Seele helfen und den Körper stärken. Das Schreiben fördert die Aktivität des Immunsystems, wirkt wohltuend bei Erkrankungen und lindert depressive Symptome. Die Vielzahl der Belege ist beeindruckend, die Wirkung verblüffend.“

http://www.zeit.de/2016/14/tagebuch-schreiben-schreibtherapie-trauma-behandlung-psychologie-james-pennebaker

Was sind deine Erfahrungen mit dem Thema?

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