Selbstmanagement und Nachrichtenkonsum - Mehr Grundvertrauen und Gesundheit durch Verzicht auf News

02. Nov, 2019

Letzte Woche war es mal wieder so weit: Schlechte Nachrichten in geballter Form auf allen Kanälen. Es gab die Wahl in Thüringen, die USA und die Welt spielten wieder verrückt, neue Umwelt- und Klimakatastrophenzeichen…über mehrere Tage hinweg überschlugen sich die Ereignisse und ich war live dabei auf vielen Kanälen: Neben der klassischen Tagesschau begegneten sie mir auf Facebook, Twitter, im Webbrowser, in der Zeitung und natürlich auch in Gesprächen mit anderen. Am dritten Tag war ich richtig mies drauf – was sollte nur aus dieser Welt werden?!? Und vor allem: Ich fühlte mich mehr und mehr machtlos und ausgeliefert. Was soll aus meinen Kindern werden in dieser Welt? Ich bin sicher, dass du das auch schon einmal erlebt hast. Was ist das, und wie geht man besser damit um? Warum es manchmal einfach gut ist, die Augen zuzumachen… hier meine Gedanken dazu…Da passte es gut, dass ich zeitnah auf ein wunderbares Buch gestoßen bin: Rolf Dobelli schreibt in „Die Kunst des digitalen Lebens“ genau über die Herausforderung, der ich da gegenüberstand. Und daher ist das Buch aus meiner Sicht ein absolutes “must read” für jeden von uns, der einigermaßen gesund und aufgeklärt durch diesen Wahnsinn gehen möchte. Und es ist auch ein MUSS für alle Eltern, die ihren Kindern den Umgang mit Nachrichtenerklären wollen. Und es hat mir gezeigt, warum es manchmal gut ist, die Augen auch gezielt zuzumachen!

Angst ist kein guter Ratgeber

Ich hatte am eigenen Leib erfahren, wie mich die Fülle dieser schlechten Nachrichten zunehmend gestresst, verängstigt und vor allem massiv verunsichert hatte. Das ist nicht die Haltung, aus der heraus ich mein Leben führen möchte. Darüber hinaus war und ist Angst noch nie ein guter Ratgeber gewesen. Unter Angst fallen wir sehr in unsere Urinstinkte zurück, sind in unserem Verhaltensrepertoire eher eingeschränkt. Es lohnt sich also immer, in solchen Momenten auf eine Entängstigung hinzuarbeiten.

Es sind zu viele und vor allem auch an sich irrelevante Nachrichten, die wir konsumieren

Dobelli hat recherchiert, dass es tatsächlich im Schnitt 20.000 schlechte Nachrichten pro Jahr und Person sind, die auf uns niedergehen. Das sind mehr als 60 pro Tag! Und das meiste davon, so Dobelli, ist eigentlich komplett irrelevant. Das stimmt. Ist es für mich wirklich wichtig zu wissen, dass in Italien die Regierungskoalition auseinanderbricht oder in Syrien ein Attentat passiert ist? Und ich meine damit nicht, dass mich das nicht interessiert oder ich die Augen verschließen möchte. Aber brauche ich diese Informationen in Echtzeit, jetzt sofort? Macht das am laufenden Tag einen Unterschied für mich? Werde ich deswegen anders mit den Menschen direkt um mich herum interagieren? Ich bin oft in Italien und ich kenne persönlich einige syrische Flüchtlinge recht gut. Und gleichzeitig würde es doch reichen, wenn ich mich damit anders beschäftigen könnte oder nicht?

Denn Nachrichten sind vor allem so aufgebaut, dass der Titel reißerisch ist, damit er in der Nachrichtenflut überhaupt noch auffällt. Und darüber hinaus sind viele Nachrichten auch sehr einfach gestrickt, nach dem Prinzip Ursache erzielt Wirkung. Auch das trägt dazu bei, dass wir sie schneller und leichter aufnehmen und uns eher beeindrucken und beeinflussen lassen.

Wenn es einfach ist, dann ist es falsch!

Das ist ein Satz, den mein Mann und ich in vielen Gesprächen über Politik und die Welt für uns geformt haben. Mittlerweile ist es eigentlich NIE einfach: Alle Themen, Sachlagen, politische Situationen sind viel zu komplex geworden, als dass man sie in eine Überschrift und 200 Zeichen verpacken könnte. Einfache Meldungen sind daher immer einseitig in der Meinungsbildung. Und vor allem sorgen sie oft dafür, dass ich mich ereifere und aufrege über dieses und jenes. Ich neige selbst schnell dazu, dann “zack” eine Meinung zu haben und ein Urteil zu fällen. Dobelli nennt das den Meinungsvulkan. Das Gehirn mag diese Komplexitätsreduktion gerne, und gleichzeitig kostet allein das Denken und Sich-Ereifern Energie. Das kann sogar Demokratien aushebeln, wenn man sich Twitter und die Möglichkeiten eines amerikanischen Präsidenten anschaut. Und es geht noch weiter:

Schlechte Nachrichten sorgen für mehr Stresshormone im Körper

Jede schlechte Nachricht, die unser limbisches System und unsere Angst aktiviert, sorgt für die Ausschüttung von mehr Cortisol, also Stresshormon in den Körper hinein. Dobelli nennt die unfassbare Zahl von 50% aller Amerikaner, die unter diesen Stressbelastungen neigen, und bei denen das auf zu viel Nachrichtenkonsum zurückzuführen ist. Zu viel Nachrichten schaden also tatsächlich der Gesundheit!

Nachrichten fördern einen Tunnelblick und die Fokussierung auf noch mehr Katastrophen

Darüber hinaus versteht unser Gehirn auch nicht, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen wie oft ich eine Nachricht höre und wie stark oder groß diese potenzielle Bedrohung tatsächlich ist. Dobelli macht hier die Rechnung auf in Bezug auf terroristische Anschläge. In Deutschland sterben aktuell jährlich 3 Personen an solchen Anschlägen, während 3.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben lassen. Ich möchte wetten, dass die meisten von uns (mich eingeschlossen) sich mehr Sorgen um das Thema Terrorismus machen, oder? Und das wird noch angeheizt durch den folgenden Fakt:

Algorithmen servieren dir mehr vom Gleichen

Du interessierst dich für Terrorismus? Wunderbar! Jede Nachricht auf Facebook oder sonst wo, die du dazu liest, sorgt in den Algorithmen dafür, dass du noch mehr davon präsentiert bekommst. Diese Programmierungen sind darauf aus, dir schlicht und ergreifend mehr davon zu servieren, was dich offensichtlich interessiert; sie wollen dir „gefallen“. Das war ein Thema, was ich mit meinem 12-Jähringen Sohn besprochen habe, der angefangen hatte, über Google Nachrichten anzuschauen und irgendwann entsetzt war, was da alles passierte in der Welt. Er hatte sich mehrfach Nachrichten über Unfälle angeschaut und bekam nur noch mehr Unfälle gezeigt. Damit kam er auf mich zu, weil er sich sofort Sorgen gemacht hatte, dass er oder wir auch in solchen Unfällen sterben könnten. Ob denn Zug fahren überhaupt gut sei usw. Wir haben dann besprochen, wie es dazu kam. Er hat tatsächlich aufgehört, sich solche Katastrophenbilder anzuschauen. bei ihm habe ich aber auch gesehen, wie groß unser aller faszination am Grauen sein kann…

Schlechte Nachrichten lassen passiv werden

Dieser Aspekt hat mich jedoch am meisten überrascht und auch beeindruckt: Ich hatte bei mir selbst dieses zunehmende Gefühl von Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein wahrgenommen. Dieses Gefühl von „was kann ich denn da überhaupt machen? Und sowas wie: das wird noch ganz böse enden…!“ Nicht nur, dass ich das als sehr niederdrückend empfunden hatte. Ich merkte auch, dass ich Gedanken bekam, dass Vieles an meiner Tätigkeit doch im Grund genommen sinnlos sei, der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, ein Nichts in diesem großen Wahnsinn. Die schlechte Energie dieser unzähligen schlechten Nachrichten sorgt tatsächlich dafür, dass sich diese Machtlosigkeit und Hilflosigkeit auch in andere Bereiche unseres Alltages hinein ausbreitet, so Dobelli, in denen wir eigentlich sehr wohl machtvoll und wirksam sind oder sein können.

Jeder kann einen Beitrag leisten und sollte das tun – lass dich nicht von den schlechten Nachrichten abhalten!

Und das fand und finde ich besonders gefährlich, und das ist auch die Kernmotivation für mich, diesen Blogbeitrag zu schreiben: Niemandem ist geholfen, wenn wir in Passivität versinken! Wenn etwas besser werden soll, dann braucht es jeden einzelnen und jede einzelne. Und dabei ist es egal, was du tust und wie groß oder klein dein Beitrag ist! Selbstvertrauen entsteht auch aus der Erfahrung der Selbstwirksamkeit, das heißt, dass du selber dich als wirkungsvoll erlebst und Einfluss nimmst auf dein Umfeld. Wenn ich das nicht mehr mache, dann wird es mir über kurz oder lang an Selbstvertrauen mangeln. Und wenn ich mir selbst nichts mehr zutraue, wer soll es denn dann machen oder richten? Die Idee eines großen Führers haben wir doch eigentlich schon vor langer Zeit beerdigt, oder? Und anscheinend wäre es im Feuer dieser Nachrichten für manchen wieder schöner, einen zu haben. Den Eindruck könnte man manchmal haben.

Den Nachrichtenkonsum aktiv steuern führt zu mehr Gesundheit und mehr Grundvertrauen – 7 Tipps

Hier meine Vorschläge (auch in Anlehnung an Ideen von Rolf Dobelli):

  1. Radiowecker nicht exakt auf die halbe oder ganze Stunde stellen: Da gibt es morgens die Nachrichten, und wenn wir verschlafen wachwerden, dann rieselt das direkt ungefiltert ins Gehirn. Lieber 3min später, da kommt das Wetter… 😉
  2. Limit setzen auf die Nutzung von Social Media: Setz dir ein strenges Zeitlimit und vermeide zu viel Surfen in endlosen Diskussionen unter Threads – es bringt NICHTS! Da ich Facebook und Instagram auch beruflich nutze, komme ich nicht daran vorbei. Aber ich versuche hier, selektiver wahrzunehmen und kritischer zu sein.
  3. Wenn du das Internet nutzt, stell dir eine neutrale Webseite als Startseite ein und keine Nachrichten-Seite wie Spiegel Online oder MSN etc.
  4. Schau, welche seriöse Quelle besser geeignet ist, dich in Ruhe und vor allem dezidiert mit einzelnen Themen auseinander zu setzen. Das kann eine Wochenzeitschrift oder -zeitung sein. As können auch Podcasts sein. Wichtig ist, die Länge und eine gute Recherche bei den Artikeln. Ich persönlich bin in diesem Zusammenhang ein großer Fan der ZEIT und ihren Dossiers geworden. Das ist nicht tagesaktuell, reicht aber völlig aus.
  5. Meine tagesaktuelle Quelle ist vor allem die gute alte Tagesschau, und auch da überlege ich sehr gut, wann und wie ich mir das zumute.
  6. Sprich mit deinen Kindern darüber, wie Nachrichten sinnvoll konsumiert werden und was die Fallstricke sein können. Wenn sie in Zukunft eines gut können müssen, dann den Umgang mit dieser Informationsflut bewältigen.
  7. Dobelli schlägt konkret eine 30 Tage Challenge vor, bei der du komplett auf News verzichtest. Dabei sollen Nachrichten Apps gelöscht werden und versucht werden, so wenig Nachrichten wie möglich aufzunehmen. Danach sagt er, sollten sich erste Effekte zeigen. Und dann könne man diese News Diät auch fortsetzen.

Ich bin seit einigen Tagen dabei und merke täglich mehr, dass mich das entspannter sein lässt. Parallel habe ich auch wieder deutlich mehr Kraft für meine Projekte und Ideen. Das Vertrauen in die Welt ist schlagartig wieder besser geworden und damit auch meine Bereitschaft, an einer Verbesserung mitzuwirken.

Fazit: Lass dich nicht von diesem Mist runterziehen. Du bist keineswegs im Wettbewerbsnachteil, wenn du nicht sofort über alles Bescheid weißt. Eher im Gegenteil! Ein gezieltes Augen schließen sorgt für mehr Entspannung. Du hast NIE zu wenig Informationen heutzutage, sondern eher zu viele. Also ist es gut, aktiv etwas für sich und seine Gesundheit zu tun und damit auch für dein Umfeld!Das Gift liegt in der Dosis ;-).

Ich bin gespannt auf deine Rückmeldungen zu diesem Impuls!

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