Vereinbarkeit - Job, Familie, Liebe ... eine Partner-Marathon-Challenge?

12. Mar, 2017

Vereinbarkeit_ChallengeVereinbarkeit von Beruf, Familie, und ja, ich nehme explizit die Liebe mit rein. Was gehört alles dazu? Was braucht es? Ich habe mir mal grundlegend ein paar Gedanken gemacht. Kein Anspruch auf Vollständigkeit :-). Und ich freue mich natürlich über Hinweise und Ergänzungen. Geplant ist, dass ich einzelnen Themen davon in den nächsten Wochen und Monaten vertiefen werde.

Gibt es DIE Vereinbarkeit? Wohl kaum…

In vielen Artikeln und veröffentlichten Büchern wird heiß diskutiert, ob Vereinbarkeit möglich ist oder nicht. Es gibt kulturelle Rahmenbedingungen, wie z.B. Frauen allgemein gesehen werden, und es gibt auch sozialpolitische Rahmenbedingungen. Es gibt im Osten deutlich mehr Ganztages-Kita-Plätze als im Westen – historisch bedingt. Es gibt in ländlichen Regionen zwar Ganztagesplätze, aber wie meine Schwägerin letztlich nach Ihrem Umzug von der Kölner Innenstadt in das ländlich-bayerische Vorland von Fürth feststellte, diese werden gar nicht ausgenutzt. Um 16 Uhr ist sie gerne mal die letzte, die abholen kommt. Es gibt das Wort Rabenmutter, und es gibt das Wort Hausfrau. Bei letzterem kommt immer häufiger „Wie? Du arbeitest nicht?“ Anscheinend kann man es niemandem recht machen. Und ich glaube, darum geht es bei diesem Thema ganz besonders!

Vereinbarkeit heißt für mich, dass deine Familie IHR eigenes Modell findet, das für alle passt! Und das kann sich auch mal ändern im Laufe der Zeit…

Es gibt aus meiner Sicht nicht DIE Vereinbarkeit. Es gibt nur ganz viele verschiedene Modelle davon, ganz individuelle Varianten. Vergleiche und Ratschläge sind da oft überflüssig; das macht sowieso nur unglücklich. In jeder Familie kann das Modell für Vereinbarkeit von Beruf und Familie anders aussehen, weil die Einflussfaktoren jedes Mal anders sind. Insofern ist eine politische Diskussion um mehr Ganztagesplätze wichtig, weil mehr Betreuungsplätze mehr Wahlmöglichkeiten schaffen. Aber im sozialen Gesamtkontext von DER Vereinbarkeit zu reden würde bedeuten, dass alle Familien das gleiche Modell fahren müssten. Und das geht nicht, alleine schon, weil Kinder verschieden sind.

Beispiel: Ich war immer eine große Anhängerin von Ganztagesplätzen. Meine Kinder sind beide recht früh (8 Monate und 11 Monate) in die „Fremdbetreuung“ (alleine schon das Wort!) gekommen, weil ich der Ansicht war, dass das eigentlich nur gut sein kann für Sie. So lange sie klein waren (Kita/ Kindergarten) lief das auch wunderbar. Wir kamen an im Kindergarten, und ich war regelrecht abgemeldet, weil beide immer sofort auf Ihre Freunde zuschossen. Ganz selten nur hatten sie mal keine Lust und wollten noch eine extra Runde kuscheln, bevor ich dann rausgeschubst wurde. Mit der Schule änderte sich das dann. Wir haben auch dort mit einem Ganztagesplatz angefangen, aber zu meiner großen Überraschung war das für unseren Großen dort zu viel. Unser funktionierendes Modell musste dann angepasst werden. Mittlerweile sind beide in der Halbtagsbetreuung. Das geht aber nur, weil ich selbstständig arbeite. Wenn es anders wäre, ja, dann weiß ich auch nicht. Für den Großen wäre mehr zu viel Aufregung, zu viel Lärm.

Beispiel 2: Was du machen kannst hängt ganz maßgeblich von deiner Arbeit ab. Wie weit ist der Arbeitsplatz entfernt? Wie viel Flexibilität hast du, vielleicht auch mal zuhause zu arbeiten? Bist du dein eigener Chef? Oder legt dein Chef großen Wert auf Anwesenheit? Welche Kultur gibt es in deiner Firma? Haben die Kollegen/ Vorgesetzte Verständnis dafür, wenn du mal ausfällst, weil schon wieder eines der Kinder krank ist? In meinem Fall war die Familiengründung mit 2 Kindern letztlich der Grund, mich selbstständig zu machen, weil ich maximale Freiheitsgrade haben wollte. Der Preis ist die finanzielle Unsicherheit.

Vereinbarkeit ist Verhandlungssache zwischen den Partnern!

Ich glaube, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch immer Verhandlungssache zwischen den Partnern ist. Wie meine Interviewpartnerin Anja Schulz letztlich so schön sagte: „Du kommst als Frau nur so weit, wie der Partner das mitträgt.“, und zwar in allen Belangen, und umgekehrt natürlich auch, wobei das noch selten ist.
Ich kenne viele Männer, die es gut finden, wenn ihre Frau arbeiten geht. Erstens bringt es mehr Geld in die Haushaltskasse, und zweitens ist das ja auch vorzeigbarer, mittlerweile. Spannend wird es dann, wenn es um die Aufteilung der Hausarbeit geht. Und nicht selten entstehen genau dann ganz schön Konflikte: Wer macht was? Immer? Wer steckt zurück, wenn Kinder krank sind? Wer steht nachts auf, wenn was ist („Duuurst!“)? Und ich habe von Männern gehört, die es zwar gut finden, dass Ihre Frau arbeiten geht, die aber gleichzeitig der festen Ansicht sind, dass Ihre Hemden in der Reinigung kaputt gewaschen werden, weshalb die Frau das unbedingt machen soll. Interessanterweise sind es oft die Frauen, die solche Dinge stören. Und es sind leider genauso oft die Frauen, die nichts sagen, um des lieben Friedens willen. Die die häusliche Harmonie vorziehen und eben lieber länger unbezahlt arbeiten. 2/3 der unbezahlten Arbeit zuhause wird von den Frauen erledigt… Hier gilt es auch, in offenen Austausch mit dem Partner zu gehen. Und das gibt nicht jede Beziehung her. „Wie sage ich das meinem Mann/ meiner Frau?“ – tatsächlich ist das der Titel eines Vortrages, den ich anbiete. Und an Stelle immer wieder Vereinbarkeitsseminare nur für Frauen anzubieten, damit sie sich noch besser organisieren können, wäre es doch eigentlich richtig, ein Coaching für Paar anzubieten, damit diese sich besser auf die Familiensituation einstellen können. In jedem Fall gilt auch hierbei, dass man nur sprechenden Menschen helfen kann. Vielen Frauen täte es gut, weniger die Faust in der Tasche zu machen als viel mehr in einen ehrlichen Diskurs zu gehen. Das gilt aber auch für manchen Mann. Zuletzt hatte ich ein Coaching, in dem es dem Mann, einer sehr introvertierten Person, fast unmöglich erschien, seine Frau um 10min Zeit für sich alleine zu bitten. Als Introvertierter braucht er das sehr, um seine Akkus wieder aufzuladen. Die Frau reagiert dann aber immer sehr unwirsch und interpretiert dieses Verhalten als „du hast uns wohl nicht mehr lieb, dass du deine Zeit nicht mit uns verbringen möchtest…“. Schwierig! Vor allem, wenn es zuvor Jahre so lief und er immer alles mitgemacht hat.

Ein mir bekannter Familientherapeut hat mir einmal Folgendes gesagt: „Erst muss jeder Partner mit sich im Reinen sein. Dann kommt die Partnerschaft. Und wenn die sauber ausgehandelt ist und gut gestaltet ist, dann kannst du da Kinder draufpacken so viele du willst…“

Vereinbarkeit ist Teamarbeit

Du kannst nicht alles vorab regeln. Es wird immer wieder der Moment kommen, dass du mit dem Partner zusammen ad hoc eine schnelle und möglichst gute Lösung finden musst für das anstehende Problem. Es hilft sehr (wie bei jeder Teamarbeit), dass Eure Beziehung von Wertschätzung und Vertrauen geprägt ist. Dann läuft auch die Abstimmung im Chaos. Teamarbeit braucht aber Regeln, und Teamarbeit heißt arbeiten auf Augenhöhe. Teamarbeit heißt auch zu akzeptieren, dass der andere auch anders ist. Vielleicht geht er mit den Kindern anders um, vielleicht macht er in deinen Augen da alles falsch. Aber es ist auch sein Weg, Dinge zu tun, und Kinder brauchen es auch, Verschiedenes zu erleben.

Vereinbarkeit ist ein Test für die Liebe – Liebesarbeit?

Nicht wenige Paare trennen sich bald nachdem Kinder da sind. Und nicht wenige Paare enden als Team, verlieren aber die Liebe. Und manche verlieren sich ganz und bleiben irgendwie zusammen oder gar nicht mehr. Was ist das Geheimrezept? Ich denke allem voran eine bewusste Arbeit daran, auch Liebende bleiben zu wollen. Das muss man sich erarbeiten. Das passiert nicht von alleine. Dazu wird es demnächst ein ehrliches Interview mit einer Paartherapeutin geben. Und ich werde Euch ein Buch vorstellen, das ich gerade lese: Liebende bleiben – von Jesper Juul. Last but not least – wie viel Sex braucht die Liebe, vor allem in Zeiten von Erschöpfung, Schlafmangel und wenig bis keiner Privatsphäre, weil die Kinder noch klein sind? Huh, spannendes Thema, das auch gerne totgeschwiegen wird unter Eltern. Wer plaudert da schon aus dem Nähkästchen? Ist doch auch irgendwie peinlich… Gutes Thema für ein ehrliches Interview 😊. Kommt.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Balanceakt und braucht Flexibilität.

Und wie bei jedem Balanceakt – die Balance hält einen Moment. Dann kommt ein kleines bis mittleres Erdbeben, jemand wackelt am Stuhl, und schwupps, schon wieder vorbei das Gefühl, man hätte alles im Griff. Vielleicht müssen wir an dieser Stelle auch unsere Wahrnehmung ändern. Von „es muss doch eigentlich laufen – immer“ in „meistens läuft es sowieso mehr schlecht als recht – ich bin dankbar, wenn es läuft“. Ungleichgewicht ist eher normal. Gerade mit mehreren Kindern ist der Ausnahmezustand die Regel. Da sind meine zwei – wenn auch sehr mobil und mitunter recht wild – wahrscheinlich noch easy zu handeln im Vergleich zu 3 und mehr Kindern. Vor diesen Eltern habe ich ehrlich gesagt großen Respekt! Also:Akzeptieren, dass es nur im Moment mal funktioniert. Dass das Unperfekte normal ist, und dass 70% die Perfektion ist. Dass es auch komplett daneben gehen kann. Und trotzdem immer wieder Momente zu haben, in denen du sagen kannst:

Das habe ich genau so gewollt! Das ist Zufriedenheit!

Über die Unsinnigkeit des Perfektionismus und den Unsinn, sich mit anderen Eltern zu vergleichen, werde ich an anderer Stelle schreiben…

Was sagt ihr? Wie erlebt ihr die Vereinbarkeit im Allgemeinen? Es gibt so viele Aspekte dabei. Was würde Euch dabei besonders interessieren?

Mit herzlichen Grüße aus dem familiären Chaos!

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