Vereinbarkeit von Beruf und Familie - wie ich Salz und Pfeffer für mein Rezept fand!

08. Jun, 2018

Mittlerweile befinde ich mich seit etwa 10 Jahren in der Herausforderung, Beruf und Familie zusammenbringen zu wollen. Das ist tatsächlich das, was ich lange unter Vereinbarkeit verstanden habe. Ich wollte diese beiden Bereiche, die jeweils für sich genommen sehr wichtig für mich sind, zusammenbringen und in und mit meinem Leben eine Art Klammer dafür bilden. Jetzt endlich (tatsächlich?) habe ich gelernt, dass das nicht geht. Oder zumindest nicht so, wie ich das gedacht hatte.

Die Motivationen beides zu wollen entspringen bei mir aus sehr unterschiedlichen Quellen (Die Zahlen entsprechen dabei keiner Wertung):

  • Beruflich habe ich einen gewissen Ehrgeiz, viele Ideen. Ich möchte einen Beitrag leisten dazu, dass andere Menschen ihr Leben erfolgreicher und zufriedener gestalten können. Ich möchte damit erfolgreich sein. Es macht mir Spaß, bei der Umsetzung dieser Vision sehr kreativ zu sein. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, genieße diese kommunikativen Momente über alles, bin unterwegs, aktiv, packe an, wenn mich etwas interessiert. Es ist dabei sehr dynamisch und kraftvoll in mir.
  • Familie/ Kinder/ Partner: Hier geht es neben dem Organisationstalent (siehe 1) auch noch mehr darum, Beziehungen zu gestalten durch Präsenz, Zusammensein und Da sein. Es hat tatsächlich für mich auch viel damit zu tun, was die „Empfängnis“ von Kindern überhaupt bedeutet – es ist eine passive, aushaltende, stützende, weiche Qualität, die hier gefordert ist. Ruhe und Häuslichkeit, ein „in-sich-ruhen“, wenn ich diese Funktion voll erfüllen will. Und ja, auch ich brauche persönlich viel mehr Ruhe und Erholung, auch für mich selbst, als ich das vor Kindern und Familie brauchte. Bindung, Nähe… all das braucht eine ganz andere Konstanz und Präsenz. Es ist eben nicht das Bild der Helikoptermutter, die oben drüber schwebt und mal eben eintaucht in die Kinderwelt, um dann wieder nach oben zu entschwinden. Vielmehr möchte ich eine ruhige Basis bieten, von der aus meine beiden Sprösslinge die Welt erkunden können.

Vereinbarkeit: Irgendwas kommt immer zu kurz

Leider hat es sich immer wieder erwiesen – und mittlerweile sind wir im 6. Modell, wie mein Mann und ich Arbeits- und Familienleben gestalten – dass irgendwas immer zu kurz kommt. Es scheint zu sein wie eine Bettdecke, die zu klein ist: Wenn die Schultern warm sind, dann werden die Füße kalt und umgekehrt. Als Balance hatte ich verstanden, dass es überall warm wird. Vereinbarkeit habe ich gelesen als „happy in allen Bereichen“, vielleicht nicht ultimativ, aber doch schon ziemlich.

Dank eines eigenen Coachings (Ja, auch ich frequentiere Coaches! Wäre ja schön blöd, mich selber für besser zu halten oder dass ich das nicht nötig hätte…) habe ich letzte Woche nach 10 Jahren verstanden, dass es nicht darum geht, die rechte und die linke Hand zum Händedruck zusammenzubringen und Harmonie zu erzeugen.

Schönes Bild übrigens: Mit der eigenen rechten und linken Hand kann man gar keinen „richtigen“ Händedruck machen, weil sich da ja zwei recht oder zwei linke Hände treffen…

Beruf und Familie: Doppelte Würze im Leben

Ich habe verstanden, dass Vereinbarkeit für mich bedeutet, diese unterschiedlichen Energien nebeneinander stehen zu lassen. Einfach so. Wie Pfeffer und Salz. Wie zwei Kinder von einer Mutter, die eben unterschiedlich geraten sind. Die miteinander streiten und rangeln, die sich aber auch in den Armen liegen und wunderbar zusammen malen können. Vereinbarkeit heißt auch, diesen Dissenz auszuhalten und auszubalancieren. Beide Richtungen gleich wert zuschätzen. Jedem Teil den Raum zu geben, ohne den einen oder den anderen als wertiger zu empfinden.

Übung zum inneren Ausgleich

In Autohypnose habe ich mir dann vorgestellt wie es wäre, wenn diese beiden inneren Anliegen bei mir miteinander reden würden. Überrascht habe ich festgestellt, dass sie sich mitunter eher gegenseitig beschimpfen als sich gut zu sein. Der berufliche Teil empfindet den anderen Teil als zu weich und zu untätig. Schließlich verdient er das Geld und sorgt für damit Anerkennung. Der familiäre/häusliche Teil findet den anderen kalt, unsympathisch, herz- und rücksichtslos. Er fühlt sich deutlich herabgesetzt und hätte gerne mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung. Außerdem ist er ständig in Sorge, ob mit den Kindern alles ok ist. Das ist dem beruflichen Teil eher etwas egal. Lustig, oder? In krasser Form habe ich bei mir entdeckt, dass ich die typischen gesellschaftlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen, wie sie ja auch häufig zwischen Partner ausgefochten werden, nach innen verlagert hatte. Denn mein Partner im echten Leben zieht mit.

Und was ist die Lösung?

Wertschätzung!

Wie im Leben insgesamt finden streitende Parteien vor allem über die gegenseitige Wertschätzung zueinander. Und über Gemeinsamkeiten, wie z.B. das beide Seiten Interesse an Anerkennung, Erfolg und Zufriedenheit haben. Ich habe mir diese beiden Teile also als Personen vorgestellt, wie sie aussehen und dass sie miteinander reden, sich dazu austauschen, wie Sie in Zukunft besser miteinander umgehen könnten. Ich habe sie einander sagen lassen, welche Wertschätzung sie für den jeweils anderen Teil empfinden. In meiner Vorstellungskraft ist vieles möglich! Ich habe mir vorgestellt, wie sie beide dasitzen, sich anschauen und habe auch versucht, beide mal nur mit den Augen der Liebe anzusehen. Das war dann ein sehr emotionaler Moment, weil ich dadurch nochmal gespürt habe, wie viel ich als berufstätige Mutter eigentlich leiste. Dass es mir doch immer wieder gelingt, beides irgendwie hinzubekommen. Dass ich die kalten Füße häufig in Kauf nehme, damit die Schultern warm sind. Und umgekehrt. Weil tatsächlich auch das die Würze in meinem Leben darstellt. Pfeffer und Salz in meiner Lebenssuppe.

Dank einer lieben Bekannten bin ich dann auf folgendes Zitat von Rilke gestoßen:

„…ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten… Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Und da war meine Antwort, die ich doch noch kaum fassen und fühlen kann, und die ich erst langsam anfange zu begreifen, die aber tatsächlich die Antwort auf die Frage nach der Vereinbarkeit ist: Die eigene Zufriedenheit mit Vereinbarkeit entsteht für mich daraus, dass wir die perfekte Lösung als unmöglich akzeptieren und Befriedigung aus dem Ausbalancieren ziehen. Daraus, dass wir es immer wieder versuchen und den Versuch an sich schon wertschätzen. Es ist gut genug, so wie wir es schaffen. Wir können und dürfen leben und genießen, was geht! Dabei die eigenen Grenzen respektieren. Und eben nicht eine harmonische Glätte und Perfektion anstreben.

Gestern war ich im Gespräch mit einer jüngeren noch kinderlosen Kollegin: Wie machst du das? Fragt sie mich. Und ich habe geantwortet: Geht eigentlich nicht!

Jetzt füge ich hinzu: Ist aber irgendwie trotzdem toll! Mach mal… 🙂

 

 

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