Zu viel Angst um deine Kinder? - ein paar hoffentlich hilfreiche Gedanken für dein Selbstmanagement...

08. Sep, 2018

Ich erinnere mich noch an diese Nacht im Urlaub Sommer 2012. Wir hatten für den nächsten Tag einen Ausflug über den See geplant, mit einem (großen) Touristenboot bis auf die andere Seite, 20min Fahrt eine Strecke. Für die Kinder eine Gaudi und für uns eine schöne Abwechslung. Damals waren sie 5 und 2. Der „Große“ konnte tatsächlich schon schwimmen; er hatte das Seepferdchen, aber sicher war er natürlich noch nicht. In der Nacht vorher bin ich – warum auch immer – wach geworden und habe tatsächlich geschlagene 2 Stunden wach gelegen, weil ich mir Sorgen gemacht habe, was alles passieren könnte.  Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass das passierte. Kennst du das? Ist das noch normal? Und wie geht man am besten damit um? In der Folge ein Auszug meiner Gedanken und Erfahrungen mit dem Thema…

Aus Erzählungen von befreundeten Müttern und Kontakten in Kindergarten und Schule weiß ich, dass es definitiv nicht nur mir es so geht. Mein Mann hat das erstaunlicherweise nicht, aber vielleicht auch, weil ich mir Kopf für uns beide mache? Wie auch immer… Ich habe mich immer wieder damit beschäftigt, wie ich das Sorgen machen reduzieren könnte. Denn oft verlässt es das reine Sich-Sorgen: Es wird zu Angstfantasien, die vor allem nachts sehr bedrohlich wirken können. Jemand, der keine Kinder hat, kann das vielleicht gar nicht nachvollziehen…

Die Angst um Kinder sichert den Nachwuchs

Angst um den eigenen Nachwuchs zu haben, das war in der Evolution der Menschheit ein Vorteil. Kinder von ängstlichen Müttern überlebten im Zweifelsfall eher. Diese Angst oder auch Sorge war tatsächlich existenziell und überlebenswichtig – sie war nützlich. Von daher ist diese Angst grundsätzlich gesund und normal. Ich habe vor längerer Zeit in einem Artikel mal gelesen (leider weiß ich nicht mehr, wo), dass sich in den Gehirnen beider Eltern, ganz massiv aber im Gehirn der Mutter, das sogenannte Sorgenzentrum rund um den Mandelkern stark vergrößert. Bei Müttern findet teilweise eine Verdreifachung statt. Ausgelöst wird dieses Wachstum durch die hormonellen Prozesse rund um Schwangerschaft und Geburt. Wo Zellmasse ist, da können sich auch Gedanken entwickeln. Wo viele gut vernetzte Zellen sind, da denkt es entsprechend mehr. Je mehr diese Bereiche genutzt werden, desto mehr werden auch die Gedanken. Wir sehen, wie gut das gemacht ist, um den Nachwuchs zu schützen. Aber wann wird diese Angst zu viel, und wann wird sie sogar zur Belastung?

Das Gehirn denkt immer – nicht alles davon ist wirklich richtig und hilfreich

Wer von Natur aus entspannt ist, der wird auch mit seinen Kindern entspannter umgehen. Alle anderen müssen das erst lernen. Wie gesagt, es ist richtig, sich Gedanken um die Sicherheit der Kinder zu machen. Wir müssen aber alle lernen und erkennen, wie viel davon tatsächlich realistisch und sinnvoll ist. Was ist tatsächlich angebracht? Und wo werde ich zur berühmten Glucke? In dem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Gedanken des Gehirns durchaus mal zu hinterfragen, einem Realitätscheck zu unterziehen. Manches von dem, was da gedacht wird, stammt nicht originär von dir.

Social Media und manche Presse schüren Ängste um Kinder

Die Nachrichten sind immer wieder voll von wirklich üblen Geschichten, die Kinder betreffen: Unfälle, Verbrechen, Dramen und Tragödien schlimmster Kategorie. Der Mensch gruselt sich manchmal gerne und Horrorgeschichten über Kinder machen besonders betroffen. Es ist mir vor allem in Kindergartenzeiten öfters passiert, dass mir solche Geschichten auch weitererzählt wurden. Manchmal habe ich das auch gemacht. Das sorgte zusätzlich auch für eine Art Verbundenheit unter den Müttern (Väter waren nicht dabei bei diesen Erzählrunden – kann ich mich zumindest nicht dran erinnern). Einerseits fühlte man sich bestätigt, dass man alles gut machte und andererseits stärkte es den Selbstwert, wenn es um Geschichten ging, dass andere nicht gut auf ihre Kinder acht geben und deswegen etwas passiert war. WIR sind die guten Mütter. UNS wird das nicht passieren. Egal welche Effekte dieses Storytelling hatte: In jedem Fall setzt uns sowas Bilder in den Kopf, die das Sorgenzentrum aktivieren und gerne bei Nacht und Nebel – dann wenn wir eigentlich schlafen sollen und das Schlafhormon das Gehirn noch mehr vernebelt – wieder ins Bewusstsein dringen. Mit den genannten Folgen. Ich erinnere mich gut an eine Bekannte, die ausschließlich dann etwas auf Facebook teilte, wenn es um vermeintliche Spanner oder mögliche Missbrauchstäter im Raum unserer kleinen Stadt ging. Natürlich wollte sie uns andere warnen. Die Absicht war sicher gut. Und gleichzeitig waren das DIE Gesprächsthemen unter den Müttern als es um die Frage ging, ob wir unsere Kinder alleine zur Schule gehen lassen können. In der Schule wurde uns Eltern dann nahegelegt, genau dort mehr Zutrauen zu haben. Tatsächlich hat Mathematik-Verständnis etwas damit zu tun, wie gut Kinder sich in 3D zurechtfinden, sprich ob sie Orientierungsvermögen haben, Wege finden etc. Beim ersten Kind ist man da auch sicher noch vorsichtiger als bei jedem weiteren.

Kinder brauchen unser Vertrauen, um sich entwickeln zu können

Berühmt sind ja die Versuche, dass wenn Väter mit ihren Kindern laufen üben, die Kleinen zwar häufiger fallen, dafür aber deutlich mehr Schritte gehen und auch schneller laufen lernen. Heisst das, dass wir Mütter uns da von den Vätern was abschauen können?

Es ist immer wieder ein sorgfältiges Abwägen, sicher verschieden von Situation zu Situation, von Kind zu Kind, von Jahr zu Jahr: Was geht jetzt? Was ist möglich? Bis wohin waltet Vorsicht, und ab wo ist es Überreaktion? Daher möchte ich niemandem empfehlen oder vorschreiben, was oder wie er/ sie sich da entscheiden soll.

Tipps für das Selbstmanagement bei gefühlt zu viel Angst

Ich möchte dir aber gerne ein paar Tipps und Ideen an die Hand geben, die mir geholfen haben mit meinem zeitweisen Überschuss an Sorgen und Ängsten umzugehen – sozusagen im Selbstmanagement:

  • Realitätsabgleich mit anderen KANN helfen, muss aber nicht. Mitunter kann es sehr erleichternd sein zu hören, dass es anderen ähnlich geht. Gleichzeitig kommt es dabei darauf an, dass du für DICH das richtige Maß findest. Sei selbstbewusst bei dieser Entscheidung. DIR muss es gut damit gehen.
  • Ohren zu machen, wenn andere anfangen, gerne auch bei Elternabenden oder – Stammtischen, reihenweise Horrorgeschichten auszupacken. Jeder kennt noch eine Geschichte, die sicher noch schlimmer ist als die vorherige. Vielleicht schaffst du es auch, wertschätzend einen Themenwechsel in der Runde hinzubekommen. Es ist auch möglich, freundlich zu sagen: „Können wir bitte das Thema wechseln; das geht mir zu nah!“
  • Du hast die Wahl, ob du auf Social Media oder in Zeitungen oder Fernsehen entsprechende Artikel, Bilder oder Videos anschaust. Keiner zwingt dich dazu. Es hat auch nicht damit zu tun, ob du anschließend „gut informiert bist“ oder nicht. Im Zweifelsfall trägt es nicht zu deiner inneren Ruhe bei.
  • Mitunter hilft sehr wohl der Austausch mit dem Partner. Sieht oder erlebt er das genauso wie du? Diskussionen über sowas führen tatsächlich oft zu Streit unter Eltern. Typisch männliches Statement dabei „Du verwöhnst und begluckst deine Kinder zu sehr – die werden nie selbstständig“ – typisch weibliches Statement „Und du kümmerst dich eh nicht um deine Kinder! Logisch, dass du nicht meine Sorgen hast!“ Das sind Zitate, die ich in der Öffentlichkeit mitbekommen habe. Versucht, ein gemeinsames Nideau zu finden dafür, was Ihr Euren Kindern zutrauen wollt.
  • Wenn die Gedanken ganz „ins Kraut schießen“ und fürchterliche Schreckensbilder produziert werden, dann hilft die sogenannte STOPP-Technik. Diese wird auch in der Behandlung von krankhaften Angstzuständen benutzt. Du sagst dir entweder innerlich oder wenn das nicht reichen sollte sogar laut und deutlich selber STOPP. Wenn du magst, dann kannst du das gerne auch noch mit einer entsprechenden Handbewegung unterstützen. Vielleicht musst du es mehrfach sagen. Hilft aber ganz gut. Je häufiger du das übst, desto besser funktioniert es auch, den eigenen Gedankenstrom zu durchbrechen.
  • Geh liebevoll mit dir um, wenn du dich beim Sorgen machen erwischst. Es ist total in Ordnung und normal! Du darfst das auch tun. Und du darfst dich auch davon zurückholen. Deswegen bist du keine schlechte Mutter oder kein schlechter Vater.

„Zerre deine Gedanken weg von deinen Sorgen, an den Ohren, den Füßen oder auf sonst eine Art, die dir recht ist. Das ist das Gesündeste, was ein Körper tun kann.“ – Mark Twain

 

Und noch ein letzter Gedanke: Ängstliche Eltern machen ängstliche Kinder – werden ängstliche Eltern – machen ängstliche Kinder….   Du kannst sehr dazu beitragen, dass sich dies zumindest nicht verstärkt über die Generationen hinweg.

 

Angst ist gesund – sie soll uns warnen und unser Leben schützen. Aber oft ist Angst auch nur ein Gefühl, dem man nicht mehr glauben muss. Ich wünsche dir, dass du den Unterschied gut erkennen kannst oder es lernt, damit du mit so viel Vertrauen wie möglich deine Kinder ziehen lassen kannst.

 

Und dann neulich dann: Der Große hat einen Spieltreff bei einem Freund, der 6km entfernt wohnt. Die Idee: Er fährt mit dem Fahrrad hin und zurück. Bei schönem Wetter, Strecke einigermaßen bekannt. Er – voll motiviert: ich habe mein Handy und Google Maps. Passt Mami. Ich find das! Bis gleich!“ steigt auf und radelt los. Ich sehe ihm lange nach. Er ist fast 11. Passt er immer so richtig auf im Straßenverkehr? Geht so… Ich merke, wie mein Gehirn wieder anfängt zu denken… STOPP… tief durchatmen … laut sage ich zu mir „wird schon gut gehen“ und versuche danach die nächsten zwanzig Minuten, nicht daran zu denken. Dann kommt die Whatsapp der anderen Mutter, dass er da ist. Ich atme auf und bin stolz – auf uns beide 😉!

 

Zum Abschluss noch ein Zitat von Mark Twain, der in seinem Leben wohl viel inneren Sorgen und Ängsten ausgesetzt war, denn es finden sich viele Zitate dazu von ihm:

 „Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen. Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.”
– Mark Twain

 

P.S.: Ich nehme hier Stellung zu einer grundsätzliche normalen Situation. Phobien, Angststörungen allgemein, Traumatisierungen etc. werden hier nicht thematisiert bzw. dazu möchte ich keine Aussagen machen an dieser Stelle.

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